Kryonik

Die praktische Form der Kryobiologie, welche sich mit den Auswirkungen von Temperaturen unterhalb der Körpertemperatur bis hin zu Minusgraden bei lebenden Organismen beschäftigt, ist die Kryonik. Dabei wird zum Beispiel das Phänomen des Winterschlafes oder anderer inaktiver Phasen von wechselwarmen Tieren erforscht, um es gegebenenfalls auf menschliche Organismen anwenden zu können. Ziel der Mediziner ist dabei Organ- und Gewebebanken einzurichten, auf die im Notfall zurückgegriffen werden kann. Dass diese Ansätze richtig sind, zeugt die Tatsache, dass Sperma über lange Zeit eingefroren und wieder verwendet werden kann.

Nun beschäftigt sich die Kryonik aber nicht mit der Schaffung von menschlichen oder tierischen „Ersatzteillagern“, sondern geht einen Schritt weiter und möchte menschliche Körper durch Einfrieren in einem lebensfähigen Zustand erhalten. Sollten solche Gedankengänge funktionieren, wäre das natürlich unter anderem für die Raumfahrt von großem Interesse, da ja die riesigen Entfernungen Flüge voraussetzen, die die Lebensdauer eines Menschen um ein Vielfaches überschreiten würden. Grundlage für diese Gedankengänge ist die Tatsache, dass arktische Tiere jährlich einen Prozess des Einfrierens und Wiedererwachens durchmachen. Versuche, Säugetiere wie Hunde und Schweine in einen künstlichen Winterschlaf zu versetzen, einen Herzstillstand zu erzeugen und nach Stunden wiederzubeleben, ist zwar noch nicht gelungen, dürfte aber aufgrund der geringen Versuchsreihen noch nicht repräsentativ sein.

Ziel der Kryonik ist, unheilbar erkrankten Menschen die Möglichkeit zu geben, sich eine biologische „Auszeit“ zu nehmen, sich einfrieren zu lassen und erst dann wieder erweckt zu werden, wenn ein zuverlässiges Heilmittel für ihre Krankheit gefunden wurde. Dabei müssen zwei große Hürden genommen werden, denn zum einen muss gelernt werden, mit den richtigen Methoden Körper einzufrieren, aber dann auch wiederzubeleben und lebensfähig zu erhalten. Zum anderen muss die Medizin so große Fortschritte bei der Heilung von Krankheiten machen, dass eine Anwendung der Kryonik ethisch vertretbar wird. Es besteht zwar die Möglichkeit, dass beide Aufgaben gelöst werden können, aber das dürfte noch in weiter Ferne liegen.

Wer sich für die Kryonik entscheidet, möchte die Zeit anhalten, bis medizinische Lösungen für seine Probleme gefunden sind. Aber auch wenn die Kryoniker der Meinung sind, dass sich diese Methode immer weiter entwickelt, so ist für ein Gelingen doch gesunde Skepsis angebracht …